Luisa entwickelt sich trotz Autismus immer mehr zu einem fast normalen Mädchen
Die Entwicklungsstörungen bei der sechsjährigen Tochter der Heilpraktikerin Birgit Sch. stellten sich als autistisches Spektrum heraus. Die Ärzte rieten der Mutter, sich damit abzufinden, dass ihr Kind immer geistig behindert sein würde. Doch Birgit Sch. wollte ihre Luisa fördern. Sie probierte viele therapeutische Wege. Zwei halfen die Aggressionen und die gestörte Motorik zu beheben. Seit einem halben Jahr erhält die Sechsjährige auch ein Hörwahrnehmungstraining. Seitdem holt sie enorm auf, was ihre Sprachentwicklung angeht. Und epileptoide Anfälle sind völlig verschwunden.
Frau Schichtl, Ihre sechsjährige Tochter hat ein autistisches Spektrum. Darunter versteht man eine tiefgreifende Entwicklungsstörung. Haben Sie die Symptome, die beim autistischen Spektrum genannt werden, bei Ihrer Tochter wiedergefunden?
Nein, nicht alle. Also bei ihr war die Sprachentwicklung betroffen. Sie hat bis vor einem halben Jahr kaum gesprochen. Die soziale Kompetenz war eingeschränkt. Das ist im Grunde weg. Verhaltensstörungen waren da.
Wie haben sich diese Verhaltensstörungen geäußert?
In Wutanfällen. Sie war das typische „nicht erziehbare Kind“. Wir haben mit allen Mitteln versucht, an sie heranzukommen. Sie hat sich nicht berühren lassen, hat keine Nähe zugelassen.
Und diese Auffälligkeiten haben sich wann genau zum ersten Mal geäußert?
Sie war ungefähr zweieinhalb Jahre, als es auffällig wurde.
Wie war ihre Entwicklung vorher?
Sie war eine Frühgeburt, man sagte uns, die Frühchen entwickeln sich ohnehin etwas langsamer. Obwohl sie sich eigentlich normal entwickelt hat. Dann kam allerdings der Punkt, da sagten wir, sie fängt gar nicht das Sprechen an, sie wird immer verschlossener.
Seit wann steht fest, dass Ihre Tochter ein autistisches Spektrum hat?
Seit Sommer 2009.
Seit letztem Sommer erst? Da war sie also fünf Jahre?
Ja, Autismus wird sehr spät diagnostiziert. Vorher wird in alle Richtungen spekuliert, um welche Störung es sich handeln könnte, und es wird ganz allgemein von Entwicklungsverzögerung gesprochen. Und zunächst werden sämtliche gängigen Therapien wie Logopädie, Ergotherapie, Heilpädagogik gemacht.
Diese Therapien haben Sie auch gemacht?
Ja, die laufen teilweise noch. Sie geht zur Logopädie und bekommt nach wie vor Heilpädagogik. Und Luisa ist im Integrationskindergarten.
„Es besteht der Verdacht
auf einen Impfschaden.“
Konnte man eine Ursache dieser Erkrankung feststellen?
Es besteht Verdacht auf einen Impfschaden. Sie hat mit zweieinhalb Jahren eine Masernimpfung bekommen und hat damals innerhalb von zwei Stunden nach der Impfung eine Reaktion gehabt, die so schwerwiegend war, dass sie eine Gehirnschwellung hatte. Aufgrund dessen war sie monatelang ein Schreikind, was sie vorher gar nicht war.
Wer hat das festgestellt, dass eine Gehirnschwellung vorlag?
Das wurde in der Klinik festgestellt. Sie hatte damals keine Luft mehr bekommen und war umgefallen, worauf wir den Notarzt gerufen haben, der sie dann auch sofort in die Klinik bringen ließ. Sie hatte danach über etliche Jahre auch epileptoide Anfälle, also Epilepsie-ähnliche Anfälle, obwohl die EEGs immer normal waren. Daher konnte man diese Anfälle nicht genau zuordnen. Letztendlich hat sich herausgestellt, dass etwas mit den Ohren nicht stimmt. Dieses Problem in den Ohren führte zu den Gleichgewichtsstörungen. Sie hatte zwischen fünf und sieben Gleichgewichtsanfälle im Jahr, aufgrund dessen wir mit ihr jedes Mal in die Klinik mussten.
Die epileptoiden Anfälle
verschwanden durch Hörtraining
Waren das diese Epilepsie-ähnlichen Anfälle?
Ja, man konnte das nicht zuordnen. Und dass die Ursache das Gleichgewichtsorgan war, hat erst ein tunesischer Arzt festgestellt, als wir in Tunesien waren und sie dort auch so einen Anfall bekam. Da ist sie ins Wasser gehüpft und hat wohl Wasser ins Ohr bekommen, worauf ziemlich schnell ein Anfall folgte.
Wie äußerte sich so ein Anfall?
Sie hat den Kopf nach hinten geworfen, ist umgefallen, hat mit Händen und Füßen gefuchtelt. Das sah immer sehr dramatisch aus. Doch diese epileptoiden Anfälle sind weg, seitdem wir das Hörwahrnehmungstraining machen, Gott sei Dank.
Ihre Tochter erhielt die Masernimpfung, als sie zweieinhalb war, und danach entstand diese massive Verschlechterung?
Ja, bis dahin hatte sie im Grunde normal angefangen zu sprechen. Das hörte nach der Masernimpfung auf. Danach konnte sie auch nicht mehr laufen. Sie musste das Laufen noch einmal neu lernen. Dann hat sie diese Schreianfälle gehabt und hat gar nichts mehr gesprochen.
Hatten Sie damals auf Schadensersatz geklagt?
Nein, damit braucht man gar nicht anzufangen. Die Energie nutzte ich lieber für die Heilung meiner Tochter, anstatt mich mit einem Pharmakonzern anzulegen. Ich habe ja viel geforscht in den Jahren und man weiß mittlerweile, dass Autisten sehr häufig unter Impfschäden leiden. Da fragt man sich, warum das so ist. Ich bin damals zu Dr. Landenberger nach Bad Tölz gefahren, und er hat herausgefunden, dass unsere Tochter eine Protein-Stoffwechselstörung hat, die dafür zuständig ist, dass bestimmte Stoffe die Blut-Hirn-Schranke passieren können. Ich denke, dass die Kinder, die die Impfung nicht vertragen, diese Stoffwechselstörung haben. Wenn man jedoch nicht weiß, dass eine Stoffwechselstörung vorliegt, und diese Impfstoffe mit ihren Giften in den Stoffwechsel geraten, dann treten diese Störungen auf. Das ist meine Hypothese. Denn es gibt ja auch Kinder, die die Impfung hervorragend vertragen.
Diese Stoffwechselstörung bei Ihrer Tochter wurde dann behandelt?
Ja, Luisa war dort länger in Therapie. Die Aminosäure- und Mineralstoffwechsel waren nicht in Ordnung. Sie hatte zudem eine Candida-Pilz-Belastung im Darm. Das führte zu multiplen Allergien, die seit der Therapie jedoch behoben sind. Sie konnte danach wieder alles ohne Probleme essen.
Mit neuneinhalb Wochen
anaphylaktischer Schock auf Kuhmilch
Hatten Sie von diesen Allergien vorher schon etwas bemerkt?
Ja, sie hat mit neun Wochen den ersten anaphylaktischen Schock auf Kuhmilch gehabt. Daraufhin haben wir sie mit einem Milchersatzpulver ernährt. Sie verträgt auch heute noch schlecht Kuhmilch. Sie kann schon Quark und mal einen Joghurt essen, doch Milch und Joghurt in Übermaßen löst bei ihr Neurodermitis aus. So bekommt sie laktosefreie Milch.
Sie sind einen langen Weg gegangen und haben viel erreicht für Ihre Tochter. Wie ist ihr Entwicklungsstand heute?
Sie spricht recht gut jetzt, allerdings wie eine Dreijährige. Das muss man dazu sagen. Sie fängt eben jetzt erst an. Verstehen tut sie alles, auch in anderen Sprachen. Also wir haben immer Au-pairs aus dem Ausland und es ist ein Phänomen, dass Luisa die versteht, wenn die in ihrer Muttersprache reden.
Und sie ist total sozial mittlerweile, sie spielt mit anderen Kindern. Diese ganzen Berührungsängste sind weg. Sie fährt Ski und reitet.
Sie waren vor der Geburt Ihrer Tochter bereits Heilpraktikerin?
Ja, und durch meine Tochter habe ich mich eben auf die Kinderheilkunde spezialisiert. Luisa ist mein größter Lehrmeister. Es gibt nichts, was nicht für irgendetwas gut ist. Ich bin sicher, dass ich die Luisa da rausbekomme. Ich erhalte immer wieder Anzeichen, was ich noch unternehmen kann. Die Hoffnung habe ich nicht aufgegeben, auch nicht für andere Kinder.
Seit wann setzen Sie das Wahrnehmungstraining ein?
Wir haben im Oktober 2009 gleichzeitig mit Neurofeedback und dem Hörwahrnehmungstraining begonnen.
Neurofeedback und Hörtraining
Sie können mit diesem EEG die Wirksamkeit des Hörwahrnehmungstrainings messen?
Ja. Dass die Wahrnehmung der Kinder durch das Audiva-System deutlich zunimmt, kann ich sehr gut an dem parallel angeschlossenen Neurofeedback ablesen. Wenn das eigentliche EEG-Neurofeedback-Training vorüber ist, lasse ich die Elektroden noch am Kopf des Kindes und schließe das Wahrnehmungstraining an. Über die Gehirnwellenmessung kann ich gut verfolgen, dass bei den meisten Kindern die Wahrnehmung sehr schnell nach oben geht. Es gibt natürlich auch Kinder, da gibt es kaum Reaktionen, doch das hat man bei Therapien immer, dass es bei Einzelnen nicht wirkt.
Welche Effekte haben die beiden Verfahren im Einzelnen?
Ich denke, dass das Neurofeedback sehr stark das emotionale Verhalten bei unserer Tochter verbessert hat. Das Hörwahrnehmungstraining – das sehe ich auch bei anderen Kindern, die nur das Hörtraining bekommen – macht die Kinder aufmerksamer, ruhiger, konzentrierter und motivierter, was die Schule angeht. Ich setze es vor allem bei ADHS-Kindern ein. Und bei Luisa ist dieses Hörtraining sicherlich verantwortlich dafür, dass sich ihre Sprache so verbessert hat.
Warum sind Sie sich da so sicher, dass es nicht am EEG-Neurofeedback liegt?
Mit dem Neurofeedback bearbeite ich das Sprachzentrum erst seit zwei Wochen. Ich hatte vorher intensiv das emotionale und mentale System bearbeitet. Es ist nicht so, dass man die Kinder einmal in Bezug auf ein Problem an das Neurofeedback anschließt und dann ist es weg, sondern es muss konditioniert werden und bei manchen Kindern automatisiert. Das heißt, ich muss einen Gehirnbereich vierzig Mal trainieren, damit die verbesserten Abläufe zukünftig automatisch ablaufen.
Wie reagieren die Kinder auf das Hörwahrnehmungstraining?
Das machen die Kinder ganz gerne. Da lege ich ein Lesebuch ein oder diese klassische Musik, stelle die Frequenzen um oder die Betonungen, z. B. auf a, e, i, o, u, und das hören sie gerne. Es beruhigt sie auch. Ich habe das Gefühl, dass dieses Hörwahrnehmungstraining eine wunderbare Wirkung auf das Nervensystem hat. Zu mir kommen auch Erwachsene, bei denen ich nur diese Musik-Beschallung mache, und die sagen, sie können komplett entspannen. Also das ganze Nervöse geht weg.
„Autisten müssen gefördert werden.“
Sie waren mit Ihrer Tochter damals bei vielen Ärzten, welche Perspektive haben die Ihnen gegeben?
Gar keine. Sie haben gesagt, ich solle damit leben und die Situation so annehmen, dass mein Kind immer geistig behindert bleiben wird und sie haben mir aufgezählt, was Luisa alles nicht wird machen können. Ich solle sie ins Heilpädagogische Zentrum geben usw. – Sie war auch im Heilpädagogischen Kindergarten, doch da haben wir sie dann rausgenommen.
Aus welchem Grund?
Weil sie da noch mehr Verhaltensstörungen bekommen hat, sie war einfach unterfordert. Autisten haben einen Anspruch auf Förderung, sie müssen gefördert werden. Mein Eindruck ist, mit Autisten können die Leute in diesem Land nicht umgehen. Das Krankheitsbild wird einfach unter Geistige Behinderungen eingeordnet, was bei diesen Kindern aber nicht der Fall ist. Sie haben ihre Teilbegabungen, über die man arbeiten kann. Sie sind sehr schlau und lassen sich alles Mögliche einfallen. Die Schulmedizin hätte uns nirgendwo hingebracht. Vier Jahre Logopädie haben zum Beispiel nichts gebracht. Die Logopädin ist mittlerweile begeistert von ihr, weil sie jetzt solche Fortschritte macht. Es kommen wöchentlich neue Wörter, neue Sätze. Luisa plappert, hat auch Mut zum Plappern, auch wenn das noch nicht ganz korrekt ist, was sie sagt, sie haut es einfach raus. Und das hat sie vor einem halben Jahr gar nicht gemacht, da war sie Perfektionistin. Wenn sie nicht gewusst hat, ob es stimmt, hat sie lieber gar nichts gesagt.
Wann ist der Schuleintritt für Luisa geplant?
Nächstes Jahr, wenn sie sieben ist. Ich möchte ihr noch ein Jahr Therapie gönnen, da sie solche Fortschritte macht. Ich habe den Eindruck, sie kann über die Therapie noch einiges aufholen, so dass sie sich dann bei Schuleintritt leichter tut.
Welche Schule favorisieren Sie?
Mein Ziel ist, sie in die Montessori-Schule zu bringen. Wir haben hier jedoch auch eine sehr gute Förder-Diagnose-Schule, wo sie auch jederzeit starten kann. Dort ist sogar eine höher gehende Schule möglich bis hin zum Gymnasium.
(Stand: Juli 2010)
Informationen über das Hörtraining finden Sie unter www.audiva.de. Die Internetseite von Birgit Schichtl lautet www.kindertherapie-raubling.de
Interview: Dagmar Heib
Anmerkung der Redaktion:
Auch wenn dieses Interview sehr beeindruckend ist, so bedeutet dies nicht, dass die erwähnte Behandlungsform das Nonplusultra für andere Betroffene darstellt. Wenn Sie betroffen sind, holen Sie sich bitte auf alle Fälle mehrere Meinungen von Ärzten und anderen Therapeuten ein. Bilden Sie sich ein eigenes Urteil!
Diese Internetseiten dienen dazu, Sie in Ihrer Urteilsfindung zu unterstützen. Es ist hilfreich auch über jene therapeutischen Möglichkeiten informiert zu sein, die im Allgemeinen nicht von den Krankenkassen empfohlen werden, doch sehr wirksam sein können.
Das Buch zum Portal
Dies ist die Kurzfassung eines längeren Gesprächs mit den Betroffenen. Was diese Menschen erlebt haben, ist nicht nur sehr schmerzvoll - auch in psychischer Hinsicht - sondern stellt unser Gesundheitssystem in Frage. Darüberhinaus machen diese Berichte deutlich, dass sich jeder selbst über mögliche Therapieformen informieren sollte. Und oft ist es nötig bzw. hilfreich über Rücklagen zu verfügen, um alternative Therapien vorfinanzieren oder selbst bezahlen zu können, falls die Kasse nicht zahlt..
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