Senioren benötigen eine altersgerechte Krebsmedizin, die ihren Körper schont
Wohl in Folge einer Leukämie entstand bei dem 82-jährigen Augenarzt Werner B.* ein Zungenepithelkarzinom von sieben Zentimetern Ausmaß. Dass er diese Erkrankung überlebte, verdankt er auch seiner engagierten Ehefrau, die – ebenfalls medizinisch vorgebildet – nicht locker ließ, bis sie eine Methode fand, die in diesem fortgeschrittenen Stadium noch etwas bewirken konnte. Heute hat Werner B. keine Beschwerden mehr und genießt seinen Lebensabend.
Ihr Mann hat Zungenkrebs. Wie entstand diese Erkrankung?
Mein Mann hat seit 1992 Leukämie, ein sogenanntes B-Non-Hodgkin-Lymphom. Die hat er mit Hilfe der Ärzte, die eine systemische Chemotherapie verordneten, ganz gut in den Griff bekommen. 2005 wurde ein T-Zell-Lymphom festgestellt. Nach Aussagen der Ärzte ist das eine Weiterentwicklung der Leukämie. Im März 2009 diagnostizierte man dieses sogenannte Zungenepithelkarzinom.
Was versteht man unter einem T-Zell-Lymphom?
Das ist ein Hautausschlag, der wie eine Allergie aussieht. Daher vermuteten die Ärzte auch verschiedene Formen von Allergien, z. B. eine Milchallergie. Erst im Herbst 2005 wurde die richtige Diagnose in Berlin gestellt. Dort sagte man uns sofort, dass es sich um ein T-Zell-Lymphom handelt, also eine bösartige Neubildung des Immunsystems in Form eines Hautausschlags.
Wie wurde das Lymphom behandelt?
Mein Mann wurde in einer Mindener Klinik mit einer Chemotherapie und Ganzkörperbestrahlung behandelt. Als Ende 2007 die Hauterscheinungen sehr gut zurückgegangen waren, meinten wir, die Therapie beenden zu können, da mein Mann sehr unter den Nebenwirkungen litt. Der behandelnde Professor war allerdings der Ansicht, dass diese Therapie lebenslang in einer gewissen Dosis weitergeführt werden müsse. Wir haben gegen diesen ärztlichen Rat die Therapie langsam ausschleichen lassen.
Und irgendwann stellte man dieses Zungengrundkarzinom fest?
Ja, nun weiß ich nicht: Hat sich das in Folge des Absetzens dieser Medikamente entwickelt, oder wäre es ohnehin entstanden? Die definitive Diagnose haben wir seit März 2009. Und dadurch, dass das ein sehr ausgedehntes, ein Plattenepithel-Karzinom von sieben Zentimetern ist, ist klar, dass es nicht von heute auf morgen entstanden ist.
„In Deutschland haben wir
diese Sichtweise nie gehört.“
Doch zunächst konnte nicht festgestellt werden, was es ist?
Aus beruflichen Gründen kenne ich viele Mediziner. Für mich war erstaunlich, dass besonders die Mediziner der nordischen Länder sofort gesagt haben: „Wir beobachten, dass sich nach einer Leukämie ein T-Zell-Lymphom entwickeln kann und als dritte Form entwickelt sich häufig im Hals-Nasen-Ohren-Bereich ein Plattenepithelkarzinom.“
Das Plattenepithelkarzinom ist also eine Folge der Ersterkrankung?
Ich nehme es an. In Deutschland haben wir diese Sichtweise nicht gehört. Wenn es so wäre, hätte man meinen Mann diagnostisch entsprechend begleiten müssen.
Wie wurde dieses Karzinom an der Zunge behandelt?
Aufgrund der Größe des Tumors waren die therapeutischen Möglichkeiten von Anfang an reduziert. Eine Operation kam nicht in Frage, weil dadurch das Schluckvermögen aufgehoben wäre. Dann stand zur Debatte eine systemische Chemotherapie. Doch man entschied sich dagegen, da man sehr hoch dosieren müsste, bis in diesen Bereich des Zungengrundes überhaupt eine entsprechende Dosis der Zytostatika ankommen würde. Das würde mein Mann nicht durchhalten.
Sie haben viele HNO-Kliniken konsultiert?
Wir haben die meisten durch. Unabhängig voneinander war man der Ansicht, dass nur eine Strahlentherapie möglich sei. Und aufgrund des ausgedehnten Tumors hätte man einen Luftröhrenschnitt machen müssen, damit auftretende Schwellungen die Atmung nicht behindern. Weiterhin wäre eine Sonden-Ernährung nötig gewesen.
„Wenn Sie sich nicht sputen,
ist alles zu spät.“
Davon waren Sie beide nicht begeistert?
Nein, ich habe mich deswegen noch anderweitig umgehört. Ich hatte mir von der ersten MRT ** einige CDs brennen lassen und diese einfach an mir bekannte Mediziner zur Beurteilung geschickt, unter anderem an einen Professor, der viele Jahre leitender Oberarzt in der Tübinger HNO-Klinik war.
Wie lautete seine Beurteilung?
Er meinte, ein Luftröhrenschnitt käme gar nicht in Frage, dadurch könne es Entzündungen geben und eventuell eine Metastasierung in Gang gebracht werden. Ich fragte ihn, was wir machen sollten. Er antwortete: „Es gibt nur eine einzige Möglichkeit und das ist Professor Aigner in Burghausen.“ Er fügte noch hinzu, wenn er diese Diagnose hätte oder seine Frau, sie würden sich nur von ihm behandeln lassen.
Haben die Kollegen von Professor Steinbach, denen Sie die CD geschickt haben, das auch so gesehen?
Professor Steinbach war der einzige, der klipp und klar gesagt hat: „Passen Sie auf, klarer Text. Es ist ein Plattenepithelkarzinom. Und es ist nicht kurz vor zwölf, sondern nach zwölf. Und wenn Sie sich nicht sputen, ist alles zu spät.“
Was haben Sie danach gemacht?
Ich habe Professor Aigner angerufen, mit ihm und auch mit seinen Ärzten telefoniert. Ich war angenehm überrascht, dass alle immer sehr bereit waren, mit mir zu sprechen, immer wieder meine Fragen zu beantworten.
hq. Der Röntgenologe war perplex
über den Erfolg
Wie lange sind Sie beim ersten Besuch in der Klinik geblieben?
Zweieinhalb Wochen, das war Ende April 2009. Es wurde ein Katheder im Brustkorb angebracht, über den die Zytostatika gezielt zum Tumor geleitet wurden.
Hat Ihr Mann die Therapie gut vertragen?
Ja, er hat sie erstaunlich gut vertragen. Er hat fast keine Nebenwirkungen gehabt. Also es war keine Übelkeit da, nichts.
Wie hat sich der Tumor unter der Therapie entwickelt?
Er ist gleich nach der ersten Regionalen Chemotherapie um 1,5 cm zurückgegangen. Das ist ganz erstaunlich. Es ist so, dass damit Schluckbeschwerden aufgehört haben, die Atmung war besser. Also ein enormer Erfolg. Der Röntgenologe war auch ganz perplex und fragte mich: „Sagen Sie mal, ist Ihr Mann operiert worden?“
Nach sechs Behandlungen
kompletter Rückgang
des Tumors
Wie oft wurde die Regionale Chemotherapie insgesamt gemacht?
Es sind sechs Zyklen gewesen, sprich wir waren sechs Mal dort. Wir hatten am 6. November 2009 ein neues MRT** machen lassen. Die Beurteilung dazu ist: Kompletter Rückgang des Zungenepithelkarzinoms. Auch diese Halslymphomknoten an beiden Seiten sind demnach zurückgegangen.
Wie geht es Ihrem Mann jetzt?
Es ist alles bestens: Mein Mann kann schlucken, sprechen, gut atmen. Er hat überhaupt keine Beschwerden, keine Schmerzen, nichts. Auch seine Sprache ist viel besser geworden, die war vorher sehr undeutlich, möglicherweise eine Vorstufe des Zungengrundepithelkarzinoms. Das Laufen geht immer noch nicht so toll, doch für seine 82 Jahre muss man sagen, dass er das alles gut überstanden hat. Er ist guter Dinge und ein sehr positiver Mensch.
Wie haben die anderen Ärzte reagiert, nachdem sie die neuen Befunde Ihres Mannes gesehen haben?
Voller Erstaunen. Und ich wünschte, dass diese Regionale Chemotherapie mehr ins allgemeine Bewusstsein aller Betroffenen gelangt, damit den Patienten frühzeitig geholfen werden kann. Vor allem im Hals-Nasen-Ohrenbereich ist das eine sehr wichtige Maßnahme.
*Name von der Redaktion geändert.
**Magnetresonanztomogramm (Stand: Januar 2010)
Mehr Informationen über die Behandlung mit der Regionalen Chemotherapie
Interview: Dagmar Heib
Anmerkung der Redaktion:
Auch wenn dieses Interview sehr beeindruckend ist, so bedeutet dies nicht, dass die erwähnte Behandlungsform das Nonplusultra für andere Betroffene darstellt. Wenn Sie betroffen sind, holen Sie sich bitte auf alle Fälle mehrere Meinungen von Ärzten und anderen Therapeuten ein. Bilden Sie sich ein eigenes Urteil!
Diese Internetseiten dienen dazu, Sie in Ihrer Urteilsfindung zu unterstützen. Es ist hilfreich auch über jene therapeutischen Möglichkeiten informiert zu sein, die im Allgemeinen nicht von den Krankenkassen empfohlen werden, doch sehr wirksam sein können.
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Dies ist die Kurzfassung eines längeren Gesprächs mit den Betroffenen. Was diese Menschen erlebt haben, ist nicht nur sehr schmerzvoll - auch in psychischer Hinsicht - sondern stellt unser Gesundheitssystem in Frage. Darüberhinaus machen diese Berichte deutlich, dass sich jeder selbst über mögliche Therapieformen informieren sollte. Und oft ist es nötig bzw. hilfreich über Rücklagen zu verfügen, um alternative Therapien vorfinanzieren oder selbst bezahlen zu können, falls die Kasse nicht zahlt..
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